In Trollhättan hat Paintab „niemals aufgeben“ zu einer Arbeitsmethode gemacht. Hier sind die Strategien, die das Auftragsbuch voll halten, wenn der Markt schrumpft.
Eine gerissene Fensterscheibe in einer kommunalen Einrichtung. Verrottetes Holz an einem Rahmen, den niemand offiziell beauftragt hat zu prüfen. Mitarbeitende von Paintab bleiben stehen, fotografieren den Schaden und informieren direkt das Büro. Noch am selben Tag weiß der Kunde Bescheid.
Da hat Mårten bereits einen Tischler angerufen. Und einen Glaser.
- Wir lösen alles und das große Ganze, sagt Mårten Mårtensson, Geschäftsführer von Paintab.

- Warum spart das dem Auftraggeber Zeit?
- Er weiß, wenn er uns kontaktiert, lösen wir das komplett. Er muss den Tischler nicht selbst koordinieren. Wir nehmen deren Rechnung, schlagen unsere Marge drauf, und er bekommt eine einzige Zeile in seinem Buchhaltungssystem.
Es sind die kleinen Schritte. Auf die weist Mårten hin, wenn andere in der HG-Liga fragen, wie 22 Malerinnen und Maler 1.500 Aufträge im Jahr in einer Stadt abwickeln können, in der Industriekunden schließen und Rahmenverträge wegfallen können.
- Wie könnt ihr bei so wenigen Leuten so einen hohen Umsatz erzielen?
Die Frage kam auf Svalbard, beim Treffen der HG-Liga, nachdem Paintab den Preis als „Performance Improver“ gewonnen hatte. Die Antwort ist kein einzelner Schritt. Es ist eine ganze Arbeitsmethode, Woche für Woche wiederholt – auch wenn das Auftragsbuch voll ist.
Die Regel, die nicht gebrochen werden darf
Der erste Tipp ist zugleich der schwerste. Er geht darum, was man antwortet, wenn ein Rahmenvertragskunde an einem Montagmorgen anruft und etwas braucht, für das man eigentlich keine Kapazitäten hat.
- Wir sagen nie nein, aber wir sorgen dafür, dass es gelöst wird. Haben wir nicht genug eigene Leute, setzen wir Nachunternehmer ein, damit es klappt.
- Was passiert, wenn man einmal nein sagt?
- Dann ruft der Kunde beim nächsten Mal die Nummer zwei auf seiner Liste an. Und sobald das einmal passiert ist, wird es leichter, wieder dort anzurufen. So verliert man einen Kunden - Stück für Stück.
Das Ergebnis ist ein Mechanismus, kein Gefühl. Es soll keinen Grund geben, jemand anderen anzurufen.
- Dadurch heben wir uns vom Wettbewerb ab. Die Kunden vertrauen uns.

Es geht darum, ständig zu kommunizieren
Paintab arbeitet viel mit Rahmenverträgen, Festpreisen und kleinen Projekten. Gerade dabei entstehen schnell Missverständnisse darüber, welche Leistungen tatsächlich im Angebot enthalten sind.a.
- Eine kurze E-Mail an den Kunden über den aktuellen Stand reicht oft aus - und dann ist man diese Probleme meist los.
- Was kann schiefgehen, wenn man die Erwartungen nicht klärt?
- Dann graben sie sich in die Paragraphen der Verträge und prüfen, was inbegriffen ist. Offene Kommunikation verhindert viel Unzufriedenheit.
Dasselbe gilt für das Angebot. Paintab schreibt vor Arbeitsbeginn auf, was im Umfang inkludiert ist und was nicht. Was zusätzlich auftaucht – eine morsche Fassade, eine zerbrochene Scheibe – fällt aus dem Angebot heraus und wird sofort gemeldet.
- Wir hören von vielen Seiten, dass wir gut darin sind, transparent zu sein.
Oder „Ordnung und Transparenz“, wie man in Schweden sagt. Schnelle Rechnungsstellung. Dokumente bereit. Nicht weil es gut aussieht, sondern weil das der Punkt ist, an dem die Konkurrenz wegfällt.
- Viele kleinere Firmen sind beim Administrativen wirklich schwach.

Niemand zwischen Mårten und der Wand
Die Hierarchie innerhalb der 22 Mitarbeitern ist bewusst flach gehalten. Kein Projektleiter. Keine Vorarbeiter.
- Wir sitzen im Büro, sind aber auch draußen und helfen mit. Es ist nicht so ein „wir und die“. Wir machen das gemeinsam.
- Woher weißt du, dass sie das so empfinden?
- Man hört es von den Kunden. Die erzählen, wie die Maler draußen auftreten. Nur weil jemand streicht, ist er oder sie nicht einfach nur ein Maler - es geht darum, die richtige Kompetenz am richtigen Ort zu haben.
Paintab konzentriert sich bewusst kaum auf Neubauprojekte. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf Servicearbeiten in laufend genutzten Gebäuden – Büros, kommunale Einrichtungen und Bestandsimmobilien. Das ist eine bewusste Entscheidung und hängt damit zusammen, wen sie einstellen. Wer in einem Bürogebäude arbeitet, muss anklopfen, erklären können, was gemacht wird, Rücksicht nehmen und professionell kommunizieren.
- Wer im Servicebereich arbeitet, braucht viel mehr - man muss mit den Menschen vor Ort sprechen.
Das ist ein anderer Job als auf einem Gerüst in einem leeren Fertigbau zu stehen. Paintab hat das ganze Team basierend auf diesem Profil aufgebaut. Das macht sie weniger geeignet für Neubauten - und besser geeignet für das, was ihre Kunden immer wieder anfragen.
